Wie hoch wird der Preis sein?

Preiskontrollmechanismen

Während der politischen Debatte zur Einführung des ETS2 stand die Notwendigkeit von Preiskontrollen und Schutzmaßnahmen im Vordergrund.. Daher enthalten die ETS-Richtlinie und der Beschluss über die Marketstabilitätsreserve bereits mehrere Mechanismen zur Preiskontrolle für das ETS2:

  • Vorzeitige Versteigerung von 30 % mehr Emissionszertifikaten in den ersten drei Jahren, die später von den zukünftigen Zertifikaten abgezogen werden.
  • Wenn der durchschnittliche EUA-Preis für drei aufeinanderfolgende Monate mehr als doppelt so hoch ist wie der Durchschnittspreis der vorangegangenen sechs Monate, werden 50 Millionen Zertifikate aus der MSR2 freigegeben – gemäß Artikel 30h(1). Im Zeitraum 2027/2028 greift die Regel bereits, wenn der Preis für drei aufeinanderfolgende Monate 1,5-mal höher liegt als der Durchschnitt der letzten sechs Monate.
  • Liegt der durchschnittliche EUA-Preis für drei aufeinanderfolgende Monate mehr als dreimal so hoch wie der durchschnittliche EUA-Preis der vorangegangenen sechs Monate, werden 150 Millionen Zertifikate aus der MSR2 freigegeben.
  • Es gilt eine weiche Preisobergrenze von inflationsbereinigt 45 Euro (die bis 2027 voraussichtlich näher bei 60 Euro liegen wird). Liegt der durchschnittliche EUA-Preis länger als zwei Monate über dieser Obergrenze, werden weitere 20 Millionen Zertifikate aus der MSR2 freigegeben.
  • Im Falle sehr hoher Öl- oder Gaspreise Mitte 2026 wird der Start des ETS2 um ein Jahr auf 2028 verschoben.
  • Schließlich ermöglicht eine zusätzliche Klausel der Europäischen Kommission, auf hohe ETS2-Preise zu reagieren, indem sie einen Durchführungsrechtsakt erlässt, wenn innerhalb von zwölf Monaten zweimal ein bestimmtes niedriges Zertifikatsvolumen erreicht wird.

Diese Preiskontrollen gelten bis 2029, wenn die Europäische Kommission einen Bericht über ihre Funktionsweise vorlegen muss. Nach dieser Überprüfung könnte sie gegebenenfalls eine Verlängerung und Ausweitung der Preiskontrollen vorschlagen. Bereits im Jahr 2028 muss die Europäische Kommission die Funktionsweise des ETS2 evaluieren, um sicherzustellen, dass der Markt ordnungsgemäß funktioniert und die Preise stabil bleiben. Dieser Zeitpunkt ist wichtig, da viele Modelle – darunter auch das untenstehende Modell von BloombergNEF – einen Preisanstieg bis 2030 prognostizieren. Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte im Rahmen der Überprüfung im Jahr 2028 – abhängig von den dann vorliegenden Marktentwicklungen – gegengesteuert werden.

Viele Marktanalysten geben eine breite Spanne unterschiedlicher Preisprognosen ab, was die Schwierigkeit unterstreicht, den zukünftigen ETS2-Preis zuverlässig vorherzusagen, wie in der folgenden Tabelle deutlich wird:
Die großen Unterschiede bei den erwarteten ETS2-Preisen lassen sich auf die unterschiedlichen Annahmen in den Modellrechnungen zurückführen, vor allem hinsichtlich der angestrebten Ziele für die Umsetzung ergänzender Maßnahmen zur Verstärkung der Emissionsminderungen über den CO2-Preis hinaus, wie beispielsweise die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden oder CO2-Standards für Pkw. Je stärker die Emissionen in europäischen Haushalten und im Straßenverkehr reduziert werden, desto niedriger wird der ETS2-Preis ausfallen. Die Umsetzung dieser ergänzenden Maßnahmen ist sowohl machbar als auch notwendig. Ein Preis von 45 Euro pro Tonne CO2 entspricht 0,01 €/kWh bei einer fossilen Gasheizung. Die Sorge vor möglichen sozialen Auswirkungen eines volatilen ETS2-Preises ist zwar berechtigt, darf jedoch nicht als Rechtfertigung für eine vorzeitige Schwächung des ETS2 dienen oder von den notwendigen Maßnahmen ablenken, die die Mitgliedstaaten ergreifen müssen, um die Fairness des Systems zu verbessern. Das ETS2 sollte in den ersten Jahren funktionieren können, damit sich ein wirksamer CO2-Preis herausbildet, Anreize für die Dekarbonisierung geschaffen werden und dringend benötigte Einnahmen für die Energiewende generiert werden können.

Wie aus Abbildung 7 von Transport and Environment hervorgeht, liegen die schwankenden Preise für fossile Brennstoffe in den letzten Jahren weiterhin deutlich über den Auswirkungen eines ETS2-Preises von 100 Euro pro Tonne CO2. Dies macht deutlich: Die eigentliche Gefahr für die Lebenshaltungskosten ist nicht der CO2-Preis, sondern die anhaltende Abhängigkeit von klimaschädlichen Brennstoffen, denn fossile Energiekonzerne haben wiederholt bewiesen, dass sie bereit sind, Übergewinne („Windfall Profits”) zu erzielen. Jeder Versuch, den ETS2-Preis durch eine Erhöhung des Zertifikateangebots zu beeinflussen, führt zwangsläufig zu höheren CO2-Emissionen. Um die europäischen Klimaziele dennoch zu erreichen, müsste jede Abschwächung des ETS2 durch ambitioniertere Ziele in anderen Bereichen ausgeglichen werden – etwa in den ETS1-Sektoren oder in den verbleibenden ESR-Sektoren. Dies betrifft insbesondere die Landwirtschaft, wo politische Fortschritte nach wie vor schwer zu erzielen sind, oder die Landnutzung, deren Funktion als Kohlenstoffsenke bereits gefährdet ist. Die wirksamste Methode zur Steuerung der ETS2-Preisdynamik, ohne dabei die Ambitionen zu schmälern, besteht letztlich in der konsequenten Umsetzung ergänzender Maßnahmen. Durch die Verringerung der Emissionen in Haushalten und im Straßenverkehr sinkt die Nachfrage nach Emissionszertifikaten, was wiederum dazu beiträgt, den ETS2-Preis zu moderieren und gleichzeitig die Dekarbonisierung zu beschleunigen.

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